Feb-9-2008

Handy ein Zauberstab der Nicht-Kommunikation

 
 Audio [6:12m]: Play Now | Play in Popup

mobiltelefon.jpgMan sagt, dass wir uns mitten im Kommunikationszeitalter befinden, da wollten wir dem Thema nachgehen und erfahren, wie die moderne zwischenmenschliche Kommunikation funktioniert. Das „Handy“ ist heute das meist genutzte Mittel, um die Stimme, die Zeichenflirt-fever® - Flirt Up Your Life! und die Bilder zwischen den Menschen zu transportieren.Der Begriff der „Kommunikation“ ist nicht fest definiert. Grundsätzlich könnte man zwischen zwei Kommunikationsarten unterscheiden:

  • der Nachrichtentechnik und
  • der Interaktion.

Bei der Nachrichtentechnik handelt es sich, um die Informationsübertragung, der ein allgemein bekanntes Modell des Senders und Empfängers zur Grunde liegt. Uns beschäftig hier aber mehr die interaktive Komponente des Kommunizierens. Die sozialen, psychologischen, erzieherischen Aspekte scheinen eher einen Aufschluss über das Wesen der heutigen Kommunikation zu liefern, als die Spezifikation der ‚Bits-Übermittlung’.

Es ist nicht nur ‚schick’ ein Mobilestelefon zu besitzen, es ist erstaunlich, wenn man keins hat. Aber was machen wir eigentlich mit dem Handy? Die Interessen scheinen je nach Altersgruppe unterschiedlich zu sein. Junge Menschen sind die wahren Großkunden der Telekommunikationsbranche, denn sie verkommunizieren nicht nur das Taschengeld, sie verschulden sich sogar maßlos im Namen des In- und Erreichbarseins. Seltsamerweise werden die großzügigen Rabatte der Mobilfunkanbieter an die Industrie vergeben und nicht an die Jugendlichen. Man versendet kurze elektronische Nachrichten, also man ‚‚smst’ um den korrekten Jargon zu verwenden. Der Inhalt dieser Nachrichten variiert hauptsächlich nur durch die Wortwahl, denn der Zeck ist beinahe standarisiert. Anders als bei der herkömmlichen Postkarte auf der ein Gedicht und eine Liebeserklärung zu finden war und die man auch noch in zwanzig Jahren aus der Schublade hervorholt, um sich des Vergangen zu erinnern, ist die Lebensdauer einer ‚SMS’ sehr kurzlebig. Kaum versendet und schon vergessen. Die alten Nachrichten werden gelöscht, denn es muss ein freier Speicherplatz her, damit die Kommunikationsflame weiter brennt.

Die Vielfalt der Funktionen eines modernen mobilen Telefons scheint keine Grenzen zu haben. Man höre Musik und entspannt, fotografiere und versende die Bilder vom Ort des Geschehens, Abenteuer- oder Denkspiele vertreiben die Langenweile, Kalender- und Organisierfunktionen steigern die Produktivität, man greift auf die Weltweiten Inhalte des Internets zu und damit man die nächste Folge einer Fernseherserie nicht verpasst, steht sie selbstverständlich zum ‚download’ bereit und wenn das nicht reicht kann man schließlich auch noch eine Videoverbindung aufbauen, um mit unserm Gegenüber in Farbe und mit Ton zu plaudern. Bei dieser Aufzählung vergisst man schon fast zu erwähnen, dass man mit diesem‚Ding’ auch noch ganz konventionell telefonieren kann.

Verschiedene Wissenschaftler befassen sich eingehend mit der ‚Handymaterie’ und entdecken dabei interessante Verhalten. So z.B., einer Studie des Kommunikationswissenschaftlers Prof. James E. Katz zur Folge: gibt es viele Menschen, die nur so tun, also ob sie telefonieren. Ein ‚Scheintelefonat’ wird als Hilfsmittel eingesetzt, um sich aus einer schwierigen Situation zu befreien oder um indirekt mit der Umgebung zu kommunizieren. Viele Eltern glauben, Ihre Schützlinge per Mobiltelefon überwachen zu müssen. Prof. James E. Katz vertritt die Meinung, dass dieses Verhalten weder das Selbstbewusstsein der Kinder, noch die Autorität der Eltern stärkt. Wenn das Glauben aber nicht ausreicht, kann man immer noch auf Dienste wie, track your kid® zugreifen. Laut der französischen Psychoanalytikerin Delphine Miermont, die sich mit den Auswirkungen des Handy auf Beziehungen befasst, ist das Handy eine Art Mutter-Ersatz und es gebe dem Benutzer das Gefühl, ständig an einer Nabelschnur zu hängen. Dadurch wird die Urangst des Menschen allein gelassen zu werden aufgehoben. Dabei sei es wichtig, während des Erwachsenwerdens zu lernen, mit dieser Angst umzugehen. Durch die „Handy-Nabelschnur“ bleibe die Selbständigkeit des Menschen unterentwickelt. Laut einer repräsentativen Studie des IJF Institut für Jugendforschung telefoniert bereits jedes zweite Kind zwischen 11 und 12 Jahren mit dem eigenen Handy. Bei 13- bis 22-Jährigen liegt die Zahl der Handy-Besitzer bei 84 Prozent. Im Alter von 18 bis 22 Jahren haben sogar 90 Prozent ein eigenes Handy.

Das moderne Kommunikationszeitalter bringt also jede Menge an Möglichkeiten und auch ganz viele Probleme mit sich. Es scheint, dass es beim heutigen kommunizieren weniger um ein Miteinander und einen Zwischenmenschlichenaustausch gehe, als viel mehr um eine komplexe Lebensart, welche in erster Reihe verschiedene soziale und psychologische Aspekte bedienen soll. Denn ein Telefon, als ein Erziehungsinstrument, und/oder als ein Statussymbol, und/oder als ein Beruhigungsmittel, und/oder als ein Unterhaltungspartner anzusehen, daran haben wahrscheinlich weder Philipp Reis noch Alexander G. Bell jemals gedacht.

Es liegt die Vermutung nahe, dass ein Handy in erster Reihe nicht zum kommunizieren gedacht sei, denn diese aus heutiger Sicht banale Funktion, unabhängig vom Ort und Zeit mit einem anderen Menschen in eine persönliche Verbindung treten zu können, scheint zweitrangig zu sein. Ein Mobiltelefon vermittelt uns aber ein beständiges Gefühl von Erreichbarkeit und sozialer Zugehörigkeit. Des weiteren hat es den Anschein, dass andere Menschen immer für uns da sind, denn umso mehr SMS-Nachrichten wir versenden und empfangen, umso größer wird das Gefühl der Wertschätzung.



Verweise

Ergebnis unserer Umfrage:Fördert das Handy die zwischenmenschliche Kommunikation?Ja - 9 Stimmen Nein - 28 Stimmen Keine Ahnung - 12 Stimmen

posted in Black Coffee - von red
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